Leere Seiten, unbeschriebene Blätter, ein frischer Anfang. Es fühlt sich ein bisschen so an, als hätte ich gerade die Tür zu einem lange verschlossenen Raum aufgestoßen. Staub liegt in der Luft, aber auch der Hauch von Möglichkeiten. Denn hier, auf dieser digitalen Leinwand, kann ich endlich wieder das tun, was mein Herz schneller schlagen lässt: kreativ sein.
Als ich in Deutschland 6 Jahre als Foto- und Grafikdesigner selbstständig war, hatte ich den Luxus, das zu machen, was ich gerade möchte. Es war definitiv keine leichte Zeit, aber wenn ich gerade keine Kunden hatte, konnte ich mich trotzdem Projekten widmen, die mir gerade als wichtig vorgekommen sind. Mal habe ich Tutorials nachgearbeitet oder mich generell mit neuen Fototechniken beschäftigt. Zum Beispiel mit Helicon Focus Fokus-Stacking. Die Software war damals sehr teuer, aber immerhin habe ich bis heute eine Lifetime-Lizenz. Ich muss das Thema für mich noch einmal aufgreifen, wenigstens für den Blog, weil im Unternehmen hat es mir damals nichts genützt.
10 Jahre später

Das hat sich nun verändert. Inzwischen bin ich aus dem Erzgebirge endlich erfolgreich abgehauen und lebe nun seit 2017 in Wien. Das hat mir natürlich erstmal viele andere Möglichkeiten eröffnet. Denn die Selbstständigkeit war damals auch etwas aus der Not erfolgt, weil die Jobsuche in einer kleinen ländlichen Gegend sich als etwas schwierig gestaltet hat. Die ersten beiden Jahre habe ich in einer Kopierbude gearbeitet. Normal würde ich Copyshop sagen, aber in der Filiale, in der ich dann im Einsatz war… naja, war halt besonders heruntergekommen. Ich war dann ehrlich gesagt auch nicht sonderlich traurig, als ich dann wegen meinem Morbus Crohn 2019 die Kündigung erhalten hatte. Ich stand oftmals mit starken Schmerzen auf Arbeit, aber das hatte da keinen interessiert. Nicht nur die Gesundheit ist liegen geblieben, auch eigene kleine Projekte haben nicht mehr stattgefunden. Selbst meine geliebte Nikon D800 verstaubt nur noch.
Zurück zu den Wurzeln
Glücklicherweise konnte ich meine Krankheit erfolgreich besiegen. Ja, der Crohn ist nicht heilbar, aber mit meinem Medikament heute habe ich einen Zustand, in dem ich absolut keine Beschwerden oder gar Einschränkungen habe.
Die Jobsuche war erneut nicht so leicht. So naiv wie ich war, wollte ich mich wieder selbstständig machen. Aber die Versicherung hat mir nahezu die Haare vom Kopf gefressen. Die Idee habe ich schon nach 3 Monaten verworfen und zu meinem Geburtstag habe ich mein Unternehmen gleich wieder geschlossen. Es war einfach sinnvoller, als Angestellter einen Job zu bekommen.
Auf in die Druckerei
Ich habe viele Wege gesucht, um eine vernünftige Stelle zu finden. Meine Vorgehensweise war etwas anders als vorher. Alle haben eine Bewerbung bekommen. Diesmal habe ich dann nur noch auf Stellen reagiert, bei denen ich direkt ein gutes Gefühl hatte. Hokify hat mir dabei sehr geholfen. Vom Arbeitsmarktservice habe ich nur unbrauchbaren Mist erhalten. Aber das werde ich später separat in einem Thema aufgreifen.
Nun arbeite ich erfolgreich seit Anfang 2023 in einer Druckerei und das auch Vollzeit. Ich liebe meinen Job und bin aktuell mehr als zufrieden mit meiner Situation. So aber nicht im privaten Bereich. Während in meinem jetzigen Job Herausforderungen anfallen, welche ich vorher nicht hatte, so gibt es einige Tätigkeitsfelder nicht, die ich vorher hatte. Aber diese vermisse ich auch etwas.
Lange Rede, kurzer Sinn: Deswegen habe ich meine Website von meinem „Unternehmens-gründungs-versuch“ kurzerhand in einen Blog umfunktioniert. Hier kann ich tun und lassen, was ich möchte. Ich kann wieder Projekte verwirklichen, wie früher. Es ist meine Spielwiese. Somit habe ich heute zum Vergleich früher einen ganz anderen Luxus. Ich habe nicht nur ein geregeltes Einkommen, sondern auch gleichzeitig einen Freiraum mir geschaffen, nicht einzurosten. Als ich letztens erst die D800 wieder in der Hand hatte, dachte ich mir nur, verdammt, ich habe das Teil viel zu lange liegen lassen.
Ich bin gespannt wie sich mein kleines Nebenprojekt entwickeln wird.



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